wet a´way – Schottland

break on an island - sound of sleat /wet a´way 2014

Wandern, Paddeln, Segeln in den Western Highlands im November

Kräftige Wellen rollen in die felsige Bucht nahe Mallaig. Eine leichte Brise aus Ost schleppt unermüdlich dicke Regenfelder heran. Der Sound of Sleat an der Westküste Schottlands empfängt uns recht unfreundlich. Sollten wir es bei diesen Bedingungen wirklich wagen direkt zum Kyle Rhea 30 Kilometer weiter nördlich zu paddeln? Wir sind noch etwas gerädert von der letzten Nacht im Zelt unweit der Courour Bahnstation.

Mhm, die Sandaig Bay auf der anderen Seite ist gerade so zu erkennen. Jetzt ist es 14 Uhr. Wenn wir bei Tageslicht noch da rüber wollen, müssen wir jetzt starten!
Ok, wir machen uns fertig. Trockenanzug, Schwimmweste, Packraft aufgeblasen, Gepäck festgezurrt – letzte Absprache und los geht’s! Die Peilung weist auf Glas Eilean, doch immer wieder muss der Bug den leicht gischtgekrönten Wellenbergen entgegengedreht werden. Zudem fordert eine auslaufende Gegenströmung verloren geglaubte Kraftreserven. Erschöpft landen wir mit Einbruch der Dunkelheit südlich von Torr na h-Innse.

loch coulin /wet a´way 2014

Am folgenden Tag warten wir vergeblich auf eine Wetterbesserung. Um Optionen offenzuhalten ist die Barrisdale Bay das nächste Ziel. Nach Inverie und Gleann an Dubh Lochain erklimmen wir den Pass am Toman Odhar.
Regenschwangere Wolken ziehen über Loch Hour, der nächtliche Hagelschauer hat die Gipfel weiß gepudert. Heute morgen bläst ein selten zahmer Nordwind. Diese Gunst müssen wir nutzten und schon rauschen unsere Packrafts auf dem glasklaren Wasser zum westlichen Ende des Lochs, zum Sound of Sleat.
Und wir sind nicht allein. Wie schon beim Meerespaddeln zur Expedition San Quintín eskortieren uns auch hier Robben und Delfine. Ein wunderbares Erlebnis.

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meall sguman doubling /wet a´way 2014

Gegen Mittag sind wir bereits am Eingang zur Meerenge Kyle Rhea, doch unsere Hoffnung an Land irgendwo schottisch speisen zu gehen wird enttäuscht. Also weiter in die Paddel hauen. Dornie liegt auf unserem Weg. Dort sollte es einen Pub geben! Nach 29 Raftkilometern und weiteren 5 km zu Fuss erreichen wir die Siedlung. Nein! Das Pub ist geschlossen. Unerhört!

Die wohlverdienten Biere schlürfen wir letztendlich in der Hotelbar und fallen danach auch dort in die luxuriöse Haia.

Über Bundalloch und Glen Elchaig erreichen wir am nächsten Tag Loch na Lèitrach. Weiter geht es auf dem Cape Wrath Trail Richtung Kinlochewe im Norden. Nach einer trockenen aber eisigen Nacht in der Maol-Bhuidhe werden die Packrafts am Loch Calavie ins Wasser geschoben. Wir setzten die Segel und nach 15 min hat uns der steife Rückenwind über den See gepustet. Wow, im neuen Segelmodus kommt man wunderbar voran! Davon wollen wir unbedingt mehr!

leathad view to meallan ghobhar /wet a´way 2014

Einen weiteren langen Novemberabend genießen wir in der urigen Bearnais Hut mit sächsischen Kriminalerzählungen und Wein bei Kerzenschein.
Sgúrrr na Feartaig Pass, Allt a´Chonais, Craig – das kleine Hostel ist geschlossen, grrr… Dann eben noch ein Stück weiter laufen und im Busch campen.
Endlich kommt auch mal für länger die Sonne durch und setzt die schottische Landschaft auf würdige Weise ins rechte Licht. Unterhalb der 1. Coulin-Brücke raften wir heute zum Loch Coulin, paddeln bis zum Ausfluss von Loch Clair. Nach 5 km Fussmarsch wird das Bunkhouse in Kinlochewe geentert. Am Abend kommt noch eine sympathische Schotten-Gruppe hinzu. Die ersten Outdoorer überhaupt seit wir vor 9 Tagen gestartet sind.

mountain mirroring at loch ma-ruibhe /wet a´way 2014

Am Tag darauf lockt ein strahlend blauer Himmel zu einem gepäcklosen „Wandertag“ in die Umgebung. Es ist windstill und vom Meall a´Ghiuthais überblicken wir nicht nur ein großes Stück der Western Highlands, sondern auch die Route der für morgen geplanten Paddeltour über das Loch Maree nach Poolewe.
Über Nacht kommt Wind auf – aus Osten. Bingo! Lasst uns segeln! Mit durchschnittlich 6 km/h treibt der Wind die Boote bis zum Ende des 20 km langen Lochs. Ein gelungener Abschluß!
Es ist sogar noch etwas Zeit für die Besteigung des Ben Nevis. Dann müssen wir nach Sachsen zurückkehren.