Sonnenhungrig – Atacama, Chile

Sehnsüchtig haben wir die letzte Zeit auf sie gewartet und nun ist sie da: täglich, dauerhaft, brennend, blendend und schön: die Sonne. Um uns herum Felsen, Steine und Sand, kein Grün und kein Trinkwasser. Größer kann der Kontrast nicht sein. Wenige Tage nachdem wir die Wildnis Patagoniens verlassen haben, befinden wir uns im Norden Chiles, in der Hafenstadt Antofagasta, und halten den Schlüssel zu unserem Miet-Hilux in der Hand. Drei Wochen Wüste, wir freuen uns darauf.

Zunächst fahren wir in nördlicher Richtung bis Arica. Immer wieder suchen wir Nebenstrecken zum Strand, um die verschiedenen Facetten der Küste zu bewundern. Es ist alles vorhanden: bizarre Felsskulpturen, Felskugeln aller Größe, vorgelagerte Felsinseln, Steilküste mit tosender Gischt oder sandiger Badestrand in einer ruhigen Bucht. Nur ist man leider nie ganz allein, denn die Küste ist in „Wirtschaftsabschnitte“ eingeteilt und in regelmäßigen Abständen haben Algenfischer mit ihren Camps die Küste in Beschlag genommen. Sie angeln von September bis März mit großen Haken verschiedene Algenarten aus dem Meer. Am Strand werden die Algen sortiert und getrocknet, um sie später in Ballen verschnürt zu verkaufen. Ein hartes, aber florierendes Geschäft.

Weil wir auch hier im Norden Chiles die große Einsamkeit suchen, verlassen wir nach Arika die Küste und fahren ins Gebirge, das Altiplano, um auf schmalen Pfaden das Land zu erkunden.

Heisse Quellen haben es uns besonders angetan, vor allem wenn sie naturbelassen sind. Eine besonders schöne Thermalquelle befindet sich im Salar de Surire. Wassertemperaturen von über 60°C und ein großer Pool zur Auswahl der eigenen Wohlfühltemperatur, was will Mann/Frau mehr? Beim Nacktbaden werden wir aus sicherer Entfernung von Flamingos und Vicuñas beobachtet. In 4.280m Höhe in einer großen dampfenden Badewanne zu sitzen, ist ein tolles Gefühl. Die Krönung ist eine Ganzkörperpackung mit grauem Heilschlamm. Wir fühlen uns „sauwohl“!

Die Bergwelt um uns herum ist faszinierend. Vulkan reiht sich an Vulkan und aus einigen steigen weiße und schwefelgelbe Dampfwolken in den blauen Himmel. Die Schönheit mancher Gipfel wird gestört durch Fahrwege, welche sich in Zickzackform hinauf winden. Wir finden immer wieder schöne Plätze zum Campen, schauen der Sonne beim Untergehen zu und lauschen in die phantastische Stille um uns herum.

Im Vergleich zur Gletscherwelt Patagoniens sind die Tiere hier im Norden Chiles sehr scheu. Vicuñas sind sehr mißtrauisch. Flamingos, scheinbar emsig bei der Futtersuche, stehlen sich gemächlich, aber mit weit ausladenden Schritten davon. Vizcachas hüpfen in Känguruart davon und Murmeltiere machen sich einen Spaß daraus uns hinter unserem Rücken zu beäugen, während wir mit der Kamera bewaffnet vor ihren Wohnhöhlen hocken.

Eine dünne Eisschicht bedeckt unser Zelt, als wir oberhalb vom Tal der Geysire am Vulkan El Tatio in der Morgendämmerung aufstehen. Wir packen schnell zusammen. Unten im Tal, welches von dichten Nebelschwaden ausgefüllt ist, herrscht emsige Betriebsamkeit. Wir sind überrascht in dieser Abgeschiedenheit plötzlich auf solche Menschenmassen zu treffen. Die Parkplätze sind voll, sogar Reisebusse kippen hier Touristen aus. Der Spuk dauert nur ca. zwei Stunden, denn je höher die Sonne, desto weniger Dampf steigt aus den Geysiren auf. Wenig später ist nichts mehr zu sehen und das Tal wirkt wie eine Mondlandschaft. Die Touristen fahren zurück nach San Pedro de Atacama und es wird wieder ruhig im Tal der Geysire.