Ins Desaster per Bike – Madagaskar

Leicht schlingernd setzt die kleine Turbopropmaschine auf der schmalen Piste auf. Feucht warme Luft wabbert uns am Ausstieg entgegen. Das Flughafengebäude empfängt uns mit dem morbiden Charme eines Bahnhofsgebäudes des letzten Jahrhunderts. Im Inneren eine kleine Cafebar und die Wartehalle mit Gepäckbarriere. Ein ramponierter Tresen dient als Check-in. Der “Transitbereich” ist mit einer Wand aus Plastikfolien abgeschirmt. Mit Langmut wird auf die Gepäckausgabe gewartet. Willkommen im Mora-Mora-Land.

Wir befinden uns in Maroantsetra im grünen Nordosten Madagaskars. Das in den letzten Jahren weiter gewachsene Dorf am Ende der Bucht von Antongil ist unser Ausgangspunkt für einen Trip in den Makira Nature Park. Später wollen wir mit Mountainbikes auf der desolaten Route National 5 nach Süden und weiter bis in die Hauptstadt Antananarivo radeln.

river at Ampasina-Maningory /into desaster by bike

In den Regionen Analanjirofo und Sava sind noch größere zusammenhängende Regenwaldgebiete vorhanden. Der international bekannte Masoala National Park bietet eine beeindruckendes Naturerlebnis und ist bei gutbetuchten Besuchern beliebt. Unser Ziel ist jedoch die Simpona Ecolodge im touristisch nahezu unerschlossenen Makira Nature Park. Neben der Forschungsstation im Antsahabe Forst, wurde von der nahen Community von Andaparaty in den vergangenen Jahren weitere Bungalows und Zeltplattformen errichtet. Von der Wildlife Conservation Society Madagascar unterstützt, generiert die Gemeinschaft zusätzliche Einnahmen, die helfen sollen den noch intakten Primärwald zu schonen.

30 Kilometern Flussfahrt und 90 Minuten Fussmarsch, dann erreichen wir nach Einbruch der Dunkelheit das hochgelegene Camp. Das mitgeschleppte Zelt bleibt in der Packtasche, denn der geschmackvoll eingerichtete Bungalow ist einfach zu verlockend. Beim Candle-Light-Dinner lauschen wir den vielstimmigen schrägen Geräuschen aus der tintenschwarzen Nacht …

Mit Donah vom WCS-Mada und den beiden Local Guides Fredo und Jacques schleichen wir 4 Tage und Nächte auf verschlungenen Pfaden durch den umliegenden Dschungel. Schon am ersten Tag haben wir das Glück einem Trio der Silky Sifaka (Propithecus candidus) zu begegnen. Die weissen Seidensifakas gehören zu den bedrohtesten Primatenarten. Laut Schätzung der International Union for Conservation of Nature exisiteren heute nur noch weniger als 250 ausgewachsene Tiere dieser Lemurenart [1].

[1] Andriaholinirina, N.; et al. (2014). “Propithecus candidus”. The IUCN Red List of Threatened Species. IUCN. 2014: e.T18360A16115622. doi:10.2305/IUCN.UK.2014-1.RLTS.T18360A16115622.en. Retrieved 5 January 2018.