Expedition San Quintín – Chile

laguna andree /Expedition San Quintín 2014

Sonnenhungrig – Glaciar Andree

Vom südlichen Estero Benito ziehen in unendlicher Folge Regenschauer herauf. Tiefhängende Wolken klemmen zwischen den hochbewaldeten steilen Talflanken, Bergkuppen wurden über Nacht mit Neuschnee eingepudert. Nach einer Paddeltour durch das Labyrinth schwimmender Eisgiganten scheucht uns der Dauerregen zurück ins Zelt. Jetzt weiter der geplanten Route nach Süden zu folgen, heißt bei begrenztem Zeitrahmen täglich Strecke mit instabiler Witterung zu machen. Dagegen scheint uns der Himmel weiter nördlich tendenziell mehr aufzuklaren. Mit der Entscheidung mehr Zeit an den Gletscherzungen des San Quintín zu verbringen, schlagen wir uns auf der Normalroute zum Rio Andree und dann weiter flussaufwärts bis zum Glaciar Andree durch.
Dort empfängt uns ein buntes Leuchten – gelbe Blumenteppiche, rotbraune Moose, minzefarbene Flechten, tiefgrüner Bergwald und bläuliche Eismassen.

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walk on water /Expedition San Quintín 2014

Gestrandet – Abra Kelly

Über den Rio Andree (einige Class-2-Wildwasserpassagen, sonst Zahmwasser) paddeln wir zurück zur Abra Kelly und an der Isla Boscosa vorbei in den Ästuar eines Schwarzwasserflüsschens. Was aus der Ferne wie einer der gestrandeten Baumriesen wirkt, entpuppt sich als komplett erhaltenes Knochengerüst eines 15-20 m langen Bartenwals. Schwer beeindruckt, wie damals angesichts der kolossalen Elefantenskelette in Botswana, stehen wir nun auch neben dem Skelett des größten im Wasser lebenden Säugetiers.

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laguna san quintín /Expedition San Quintín 2014

Eisgekühlt – Glaciar San Quintín

Delfine und eine verspielte Robbe eskortieren uns bei der Querung des Kellyfjords zum Punta Blanca. Am nächsten Morgen – blue sky! Bei bestem Wetter folgen wir dem Lauf des Rio Cuchillo upstream und peilen einen Moränendurchbruch der Laguna San Quintín an. Die Flanken der Moräne sind mit üppigen mehr als 2 m hohen Moosmatten-Stachel-Gestrüpp bewachsen. „Yippie, endlich wiedermal wühlen !“
Dann stehen wir an der gewaltigen Front des Glaciar San Quintín, dem größten Eisstrom des Campo de Hielo Norte. Auf mehr als 1500 Meter Höhe geboren, endet dieser Eiswurm fast auf Meeresniveau mit einer momentan 12 km langen Abbruchkante. Bei mittlerweile permanent strahlend blauem Himmel und absoluter Windstille bleiben wir hier gern ein paar Tage. Eh Leute, jetzt ist Sommer! Wir sitzen vor diesem fantastischen Panorama und genießen erstmal einen eis(berg)gekühlten Whisky.