Bike ‚n‘ Smile – China/Myanmar

Einreiseversuch

Nach knapp 2 wöchiger Mountainbike-Tour durch die traumhafte Bergwelt der südchinesischen Provinz Yunnan sitzen wir nun im Niemandsland zwischen China und Myanmar fest.

Offiziell ist die Einreise von China nach Myanmar über den nördlichen Grenzübergang Muse nur nach vorheriger Anmeldung und mit Begleitung eines „speziellen“ Guides erlaubt. Das wissen wir, aber vor Ort sieht manches anders aus und einen Versuch ist es sicher wert. Also radeln wir mit unseren Bikes zur chinesischen Grenzstadt Ruili und lassen uns von Auspuffabgasen einnebeln. Sogar den Verkehr auf der dreispurigen Magistrale Richtung Innenstadt überleben wir. Am Grenzübergang angekommen mimen wir die ahnungslosen Touristen und zeigen unsere Reisepässe vor. Der Beamte im noblen Glashaus schaut etwas irritiert auf uns und die Räder. Rums ist unser Chinavisum entwertet, wir können ausreisen. Na geht doch, jetzt bloß noch zum burmesischen Grenzposten, der in einer kleinen Holzbude hausen muß.

Der Chef empfängt uns ziemlich reserviert. Schnell wird auf einer Liste nachgeschaut, wann der nächste von staatstreuen Guides eskortierte Grenzübertritt ausländischer Besucher angemeldet und genehmigt ist. Dies alles natürlich nur um Reisende vor „Übergriffen rebellischer Randgruppen“ zu schützen. Besser müsste es heißen, um Kontakte wissbegieriger Ausländer mit einheimischen unterdrückten Ethnien zu unterbinden! Jetzt ist es raus, wir stehen auf keiner Liste und haben auch keinen Aufpasser. Es folgt die Aufforderung unsere Einreise anzumelden und auf die Zuteilung eines offiziellen Begleiters zu warten. Dies könne allerdings bis zu einer Woche dauern …. Na soviel Zeit haben wir nicht. Die andere Alternative: zurück radeln und von China aus „ordnungsgemäß“ per Flugzeug einreisen.

Uns bleibt keine Wahl, eskortiert von drei burmesischen Grenzbeamten gehen wir zum chinesischen Grenzposten zurück. Und hier beginnt das Dilemma, die Burmesen lassen uns nicht einreisen und zurück nach China geht auch nicht, weil unsere Visa mit Ausreise ungültig geworden sind. Eine erneute Einreise erfordert ein neues Visa und um das zu bekommen braucht es viel, viel Zeit. Nun wird es für uns als Beobachter interessant, wie sich burmesische und chinesische Grenzbeamte die Verantwortung hin und her schieben. Die Gespräche werden immer forscher (wir verstehen natürlich nur Bahnhof) und enden darin, dass die Burmesen sich sichtlich wütend in ihre Hütte zurückziehen und uns bei den Chinesen einfach stehen lassen. Diese schütteln mit dem Hinweis auf unsere fehlenden Einreisevisa den Kopf und schon stehen wir alleine da und können das eben Erlebte kaum fassen. Schon spähen wir nach der versteckten Kamera, aber es gibt für uns keine Auflösung. Zelten können wir auf diesem Streifen Niemandsland auch nicht, also heißt es abwarten.

Ein netter chinesischer Beamter kommt zu uns. Wir erklären ihm, dass wir kein Problem damit haben, wenn er den Ausreisestempel „irgendwie verschwinden“ lassen könnte. Seine Antwort: „Nein! Das geht auf keinen Fall, dafür werden wir hart bestraft!“. Wir insistieren, dass wir von keinem Stempel wissen – sicher wurde nur aus Versehen die Ausreise bewilligt usw.. Abwinkend und mit Hinweis auf die bevorstehende Wachablösung geht er zu seinen Kollegen. Nun beratschlagen sich alle acht Beamte gemeinsam. Wir müssen unsere Pässe abgeben und warten. Nach einer halben Ewigkeit kommt einer freudestrahlend mit unseren Pässen zurück und siehe da, der Ausreisestempel ist wie durch Zauberhand aus unseren Pässen verschwunden. Alle sind glücklich, Hände werden geschüttelt und mit einem Augenzwinkern verabschieden wir uns von den netten Beamten. Schon kommt die neue Wachmannschaft und der Spuk ist nach mehreren Stunden vorbei.