Bike ‚n‘ Raft – Chile/Argentinien

Packraft-Tour auf dem Río de las Vueltas, Argentinien

Wir radeln mit unseren Mountainbikes nun schon mehr als drei Wochen gegen den berühmt-berüchtigten Patagonischen Wind. Im Gepäck sind auch unsere Packrafts.

Weil es uns vor Erwartung nicht mehr in den Schlafsäcken hält, stehen wir sehr früh auf und schlürfen erstmal heißen Tee. Es ist eiskalt und uns frieren schon jetzt die Zehen und Finger ein. So aufs Wasser zu gehen macht keinen Spaß. Also mümmeln wir uns wieder in die Schlafsäcke und schlafen noch eine Runde. Gegen 8:30 Uhr starten wir einen erneuten Versuch, denn es ist merklich wärmer geworden. Die Sonne hat es endlich über die angrenzenden Gipfel geschafft und das herrlich türkisblaue Wasser lockt!

Die Paddelsachen sind schnell gepackt und das restliche Reisegepäck im dichten Buschwerk versteckt. Wir wollen den Río de las Vueltas mit unseren „Seegurken“ (Alpaka Packraft´s) und Fahrrädern im Gepäck bis zur Einmündung des Río Electríco befahren, und von dort wieder zurück zu unserem Camp radeln. Dazu müssen nur noch die Vorderräder ausgebaut und alles auf dem vorderen Bootsteil fest verzurrt werden. Nach wenigen Minuten sind die Boote fertig. Jetzt kann es losgehen!
Der Río de las Vueltas ist, wie der Name schon sagt, ein stark mäandernder Fluss. Durch die hohe Strömungsgeschwindigkeit des Wassers sind die Außenkurven tief ausgespült und die Innenkurven meist flache Sandbänke. Viele umgestürzte Bäume und Schwemmholz, welches kurz unter der Wasseroberfläche liegt, erschweren uns die Flußfahrt. Na hoffentlich werden unsere „Seegurken“ nicht durch solch versteckte Äste aufgeschlitzt.
Vom vielen Kurvenfahren wird es uns ganz schwindelig im Kopf, aber es macht richtig Spaß, schließlich kommen wir sehr schnell vorwärts und müssen die Paddel nur zur Kurskorrektur einsetzen. Immer wieder starten kurz vor uns dicke fette Wasservögel schwerfällig in die Lüfte. Sie sehen aus wie Graukopfgänse und machen ein lautes Spektakel.

Einige Flußkilometer weiter erreichen wir einen großen See und werden von starkem Rückenwind erfasst. Zu unserem Erstaunen stellen wir fest, dass der See im ersten Drittel sogar für die „Seegurken“ stellenweise zu flach ist! Während ich mich aus dem sandig-schlammigen Untergrund gerade so in einer schmalen Fahrrinne frei paddeln kann, sitzt Ralph hoffnungslos fest und muss aussteigen. Jetzt steht er mitten im See und zieht seine „Seegurke“ ins offene Fahrwasser. Für Außenstehende wäre dies bestimmt ein kurioses Bild gewesen, aber wir sind hier im tiefsten Patagonien, Begegnungen sind hier selten.
Der zunehmend zornige Rückenwind treibt uns immer weiter vorwärts und lässt große gischtführende Wellen vor unseren Booten entstehen. Ich peile die Ausfahrt des Sees an und werde dabei immer mehr an eine Felswand am linken Ufer getrieben. Da hilft nur straffes Paddeln und mein Boot zischt gerade noch so an den scharfen Felskanten vorbei. Geschafft, endlich sind wir wieder im geschützten Flussarm und können uns gemütlich treiben lassen.

Der Zufluss des Río Electríco ist nach 23 Flusskilometern erreicht. Hier lassen wir die Luft aus den Booten, rollen sie zu kleinen Paketen zusammen, bauen die Paddel auseinander und verstauen alles in den Radtaschen. Wir biken zurück zu unserem Camp und bleiben eine weitere Nacht an diesem schönen Platz.
Nachdem der Hunger vorerst mit Reis gestillt ist, wird die Glut des Feuers noch zum Fladenbacken genutzt. Die sind richtig lecker und unsere Brotversorgung ist für die nächsten drei Tage gesichert. Allgemein ist es hier sehr schwierig, als Radfahrer an Lebensmittel heranzukommen. Die Entfernungen zwischen den Orten mit Einkaufsmöglichkeit sind relativ groß und zwischendurch gibt es einfach nichts. Wir müssen also fast taggenau unsere Essensrationen kalkulieren. Doof, wenn man(n) dann Extrahunger hat. Ralph ist so ein verfressener Kerl, der ist kaum satt zu kriegen. Also haben wir uns angewöhnt, immer eine Tüte Mehl mit auf die Einkaufsliste zu schreiben und ein Platz für ein Feuerchen zum Brot backen ist im wilden Teil Patagoniens schnell gefunden.

Zum Einschlafen noch einen guten Schluck Rotwein und ein paar Nüsse – eh Leute, DAS ist „Urlaub“!
Nieselregen hat eingesetzt und rings um uns ist alles von dicken Nebelschwaden verdeckt. Zeit sich in den Schlafsack zu kuscheln. Na dann gute Nacht!